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18.05.2017

STATEMENT SÖHNE MANNHEIMS

In light of the current discussion on social media and articles in today’s local press, we want to share with you the statement we already made towards those media that did contact us so far.

Please find below previous statements to the press including statements by the band “Die Söhne Mannheims”, Xavier Naidoo and the city of Mannheim:

 

“Das Konzert der Söhne Mannheims am kommenden Samstag hier in der Rockhal wurde im Oktober 2016 gebucht. Xavier Naidoo ist ein Mitglied dieses Künstlerkollektivs, das aktuell 15 Mitglieder auf seiner Webseite ausweist, die als Künstler eine grosse Bandbreite an Meinungen, Ideen und Ansichten vertreten. 

 

Was die “Irritationen” in Bezug auf den Song “Marionetten” aus dem im April erschienenen Album “MannHeim” anbelangt, hat die Band zum einen erklärt, diesen nicht auf der aktuellen Tour zu spielen und zum anderen die folgende Erklärung veröffentlicht:

 

"Einheit in Vielfalt

Nach dem konstruktiven Austausch mit dem Oberbürgermeister unserer Heimatstadt Mannheim gestern Abend möchten wir klarstellend festhalten: Seit jeher verstehen sich die Söhne Mannheims als multikulturelles Ensemble der "Einheit in Vielfalt", in der auch in der Gruppe Meinungsvielfalt gelebt wird. Dialog und Toleranz sind unser Leitmotiv.

Nach wie vor teilen wir das gemeinsame Grundverständnis für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft auf Basis unseres Grundgesetzes. Das ist uns wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. Jegliche Aufrufe zu Gewalt lehnen wir ab.

Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir im Geist von gegenseitigem Respekt und langjähriger Partnerschaft und auf der Grundlage der Mannheimer Erklärung unsere Überzeugung für ein Zusammenleben in Vielfalt auf Basis dieser Grundwerte.
Insoweit sind wir traurig über die entstandenen Irritationen: Wir verurteilen insbesondere die Vereinnahmung unserer Musik durch Feinde der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit und bekräftigen die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung.ONE LOVE!
Peace geht raus!
Eure Söhne Mannheims"

Xavier Naidoo selbst hat nach einem Treffen der Söhne Mannheims mit dem Oberbürgermeister der Stadt hierzu die folgendes erklärt:

 

"Guten Morgen,

nach dem Treffen mit dem Oberbürgermeister und den Söhnen Mannheims habe ich das Gefühl, noch einmal das Wort für die Kunst ergreifen zu müssen. Ebenso wenig wie man einen Menschen in einem Satz erklären kann, kann man dies bei der Kunst. Wenn ich es ausnahmsweise nunmehr trotzdem versuche, ist es für mich gar nicht einmal so schwierig, da mir das Texten erfreulicherweise leicht fällt.

Ein Produzent, meistens zugleich ein Freund, spielt mir z.B. eine Komposition vor, bei welcher mir bereits nach ein paar Sekunden der Melodie die ersten Textfragmente in den Sinn kommen. Das bedeutet, mein Unterbewusstsein hat ganz sicher Einfluss auf die Entstehung der Songs. Selbstverständlich können und werden sicherlich Erfahrungen und Beobachtungen aus meinem erlebten Alltag in der Gesellschaft meiner Freunde, in der Gesellschaft in welcher wir leben sowie natürlich in meiner Familie – insbesondere meiner geliebten Frau und meinem Sohn – in diesen Schaffensprozess einfließen. In diesen Momenten verschwende ich keinen einzigen bewussten Gedanken darauf, wohin mich die Reise wohl führen mag.

Einer der neuen Songs der Söhne Mannheims, der Song mit dem Titel „Marionetten“, hat zu hitzigen Diskussionen geführt. Einzelne Fragmente oder Satzteile wurden hier – teilweise aus dem Kontext gerissen – bewertet, gedeutet und heftig kritisiert. Damit kann ich gut leben – gerade als Musiker, für den Kunst- und Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter überhaupt ist. Dennoch ist es schade, dass in der Diskussion über diesen Song teilweise Unterstellungen wiederholt werden, zu denen es meinerseits zahlreiche Klarstellungen und unmissverständliche Dementis gab.

Bei dem Lied "Marionetten" handelt es sich um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet.

Das mag missverständlich gewesen sein, daher ist mir folgendes wichtig: Die Söhne Mannheims und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht. Das ist mir wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. Wir erleben derzeit leider eine Phase, in der viele Menschen zumindest das Gefühl haben, dass es ihnen nicht mehr ganz so gut geht oder dass sie nicht mehr "mitgenommen" werden von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Das ist gefährlich und kann zu Extremismus führen. Und der ist nie gut.

Eine Demokratie und eine offene Gesellschaft leben davon, dass sie von der Mehrzahl der Menschen getragen wird, dass sie streitbar ist und auch, dass ihr Zustand kritisch hinterfragt werden darf. Gerade um sie zu erhalten und gerade um sie zu verbessern.

Dies gilt insbesondere in Zeiten, in der Globalisierung und internationale Abhängigkeiten es schwerer machen, jene unverzichtbaren Grundwerte einer Demokratie wie Freiheit, Frieden, Gleichheit und Solidarität so verständlich zu machen, wie wir es uns wünschen. Die Grundwerte, für die wir stehen, sind notwendige Grundlage für ein soziales und friedliches Miteinander ALLER Menschen, frei von Ressentiments und nationalem Gedankengut. Dabei ist auch Streitkultur wichtig – und es gibt abseits des Extremen ganz sicher kein monotones "Gut" oder "Böse" bzw. "Richtig" oder "Falsch". Wir müssen aufeinander hören und gegen Verdrossenheit angehen – wichtig ist aber tatsächlich, für welche Werte wir bei diesen Diskussionen stehen.

Die Söhne Mannheims und ich stehen (ohne das ernsthaft betonen zu müssen) seit vielen Jahren ganz klar gegen jede Art von Gewalt, gegen jede Art von Fremdenhass, gegen jede Art von Diskriminierung und gegen jede Form von Radikalismus oder Nationalismus. Genauso erheben wir seit Jahren unsere Stimme gegen alle menschenverachtenden, populistischen oder Hass säenden Personen und Bewegungen. Gerade meine Herkunft prägt mich als einen multikulturellen Menschen, mit meiner südafrikanisch-irischen Mutter und meinem indisch-deutschen Vater. Nachhaltig betroffen gemacht hat mich auch die Erfahrung, dass die Ehefrau meines geliebten jüdischen Patenonkels, die Schwester meines Vaters, meine dunkelhäutige Mutter aufgrund ihrer Hautfarbe abwertend behandelt und schlussendlich den Kontakt zu uns abgebrochen hat. Ich schätze mich glücklich und empfinde es als Bereicherung, dass ich viele Freunde jeglicher Nationalität und jeglichen Glaubens habe. Dass ich weder rassistisch noch rechtspopulistisch bin, bedarf für mich eigentlich keiner (erneuten) Erwähnung.

Ich widerspreche daher auch jeglicher Instrumentalisierung meiner Musik und Texte durch entsprechende politische Gruppierungen.

Ich gebe keinem meine Stimme, sondern erhebe meine eigene mit den Mitteln meiner Kunst. Und die ist oft hinterfragend, teils kindlich, im besten Fall zum eigenständigen Denken anregend, manchmal tiefsinnig, vielleicht auch für manche belanglos oder an ihrer Sache vorbei, gerne auch mal provozierend - aber im gleichen Atemzug stets voller Liebe und Überzeugung für die erwähnten Grundwerte.

One Love Euer Xavier"

 

Des Weiteren hat die Stadt Mannheim diese Erklärung eindeutig begrüsst und hierzu gesagt, dass "„Sie verdeutlicht, dass die Söhne der Inanspruchnahme durch demokratiefeindliche Rechtspopulisten widersprechen und sich zum Grundgesetz und zur Mannheimer Erklärung bekennen… Mit der Erklärung hat sich die Band gegen eine Vereinnahmung durch demokratiefeindliche Rechtspopulisten gewehrt und ein Bekenntnis zum Grundgesetz geleistet.“

 

Die Inhalte und Werte, die Künstler kommunizieren und für die sie stehen, sind selbstverständlich ein Kriterium, das wir bei der Entscheidung, ein Konzert zu veranstalten, diskutieren und das auch bereits in der Vergangenheit immer wieder unsere Entscheidungen mitbestimmt hat. Daher haben wir die Diskussion dieser Thematik, sowie das klärende Statement sehr genau verfolgt und begrüssen als Veranstalter diese Klarstellung.”

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